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Mein Name ist Fashid, ich komme aus Afghanistan. Im Februar 2015 kam ich nach Deutschland, allein! Seit dem Frühjahr 2022 habe ich eine Aufenthaltserlaubnis. Lange habe ich eine Duldung (Aussetzung der Abschiebung) gehabt, ich habe deswegen oft nicht geschlafen, viele Sorgen und Ängste. Bis noch vor ein paar Monaten hatte ich viel Angst gehabt, dass ich nachts abgeholt werde von der Bundespolizei und nach Afghanistan abgeschoben werde. Die Angst macht uns müde, sie macht uns langsam und unkonzentriert, wir können oft nicht denken und uns auf das neue Leben in Deutschland konzentrieren.

Uns wird viel geholfen, es sind viele Menschen für uns da, sie erzählen uns was zu beachten ist, welche Chancen wir in Deutschland haben. Wir müssen die Sprache lernen, wir dürfen zur Schule gehen und Chancen ergreifen, wir dürfen uns auch überlegen, eine Ausbildung zu machen. Ich hatte das Glück die deutsche Sprache an der Berufsschule zu lernen und habe versucht alles zu verstehen. Alles ist möglich!? Aber nicht alles ist zu schaffen, denn die Angst ist da. Das oberste Ziel für mich war nicht, einen guten Schulabschluss zu machen und dann eine Ausbildung, ich wollte weg aus der Duldung. Es fühlt sich an wie eine Bedrohung, mit einer Duldung zu leben. Ich versuche es anders zu sehen und gelassener zu sein.

Ich habe über das Projekt Arbeitsmarktservice von Umwelt Technik Soziales e.V. (UTS) immer wieder Beratungsstunden genommen. Wir haben viele Gespräche geführt, ohne Drängen und ohne Vorgaben, ich durfte meine Ängste sagen und meine Wünsche wurden respektiert. Mir wurde wirklich geholfen, ich habe auch Vertrauen gehabt. Ich habe verstanden, dass es stimmt, dass ich mit meiner Duldung über eine Ausbildung gute Perspektiven habe und einen ersehnten Abschiebeschutz bekomme. Ich wollte es ein paar Mal umsetzen und habe mich beworben. Dies hielt dann ein paar Tage vor. Spätestens nach ein paar Tagen war die Angst aber wieder übermächtig. Ich habe dann Schlafstörungen gehabt, bei Freunden übernachtet… Na klar, habe ich auch viele Meldungen im Internet verfolgt, ich habe einige Fälle von Abschiebung mitbekommen, es ist nicht Schleswig-Holstein gewesen, aber das schaltet man aus. Ich habe in Deutschland einen Ersten Allgemeinen Schulabschluss und eine Einstiegsqualifizierung gemacht. Aber ich schaffe es immer noch nicht eine Ausbildung zu absolvieren.

Wenn man eine Flucht hinter sich hat und über Jahre Angst hat, dann muss man erst lernen, sich wieder zu fangen und zu konzentrieren. Ich brauche dazu länger. Ich bin aber dennoch heute ein glücklicher Mann. Die Mitarbeiterinnen von UTS waren immer für mich da, kontinuierlich zwei Jahre. Sie haben mich bei der Arbeitssuche immer wieder unterstützt, mit mir meine Papiere geordnet, Briefe sortiert und mir beigebracht, wie man mit Arbeitgebern spricht, sich dort vorstellt, was man sagt, wenn man sich ungerecht behandelt fühlt, was die Pflichten sind, wenn ich einen Arbeitsvertrag habe, wie man mit Hürden und Schwierigkeiten umgeht, wenn z.B. die Busse ausfallen und man noch keinen Führerschein hat und trotzdem am Sonntag um 10.00 Uhr arbeiten muss. Sie haben auch immer alles erklärt, z.B. habe ich in zwei Jahren oft eine andere Arbeit angefangen, habe einige Helfertätigkeiten ausprobiert, ständig muss man daran denken, sich bei der Krankenkasse zu melden, beim Amt, wenn zwischen den Arbeiten wieder das Asylbewerberleistungsgeld gezahlt wird. Es muss immer alles passen, ich muss an meine Mietzahlung denken, meinen Haushalt kalkulieren. Sie haben mir auch ein Papier gegeben, das die Arbeitssuche erleichtert, denn in meiner Duldung stand erst noch nicht drin, dass ich nach vier Jahren nicht mehr für jede Arbeitsstelle eine Erlaubnis benötige. Ich habe immer mehr die Gesetze und Regeln verstanden, dafür bin ich dankbar. Ich habe immer viel Post bekommen, vom Amt, von der AOK usw. Mein Ziel war und ist es immer, dass ich arbeiten möchte und mein eigenes Geld verdienen, wenn ich zurzeit keine Ausbildung schaffe, bleibe ich nicht zu Hause…. Arbeiten kann ich, arbeiten tut gut, man ist von der körperlichen Arbeit kaputt, dann kann man etwas besser schlafen.

UTS hat mich gut begleitet und auch mit dem Flüchtlingsrat und der Migrationsberatung in Eckernförde und der Ausländerbehörde gesprochen. Als klar wurde, dass ich bereits nach knapp sieben Jahren Leben in Deutschland und mit meinem Einkommen und meinen Deutschkenntnissen und Schulabschluss einen Aufenthalt beantragen kann, war ich glücklich. Ich engagiere mich in meiner Freizeit für ältere Menschen. Dankbar für die Unterstützung und Hilfe bis hier her, ich bin ein selbständiger junger Mann geworden, ich darf bleiben, ich darf mir eine Wohnung suchen, habe einen Führerschein und Freunde. Wenn ich ehrlich bin, ich hätte es allein nicht geschafft, danke an Brigitte Korinth und Sabine Bleyer von UTS und Peggy Kersten, die mir gezeigt hat, wie wertvoll es ist, selbst ehrenamtlich tätig zu sein.

Das Netzwerk Mehr Land in Sicht – Arbeit für Flüchtlinge in Schleswig-Holstein unterstützt Geflüchtete nicht nur bei der Arbeits- und Ausbildungssuche, wir arbeiten auch mit Ehrenamtlichen, die Unterstützung geben möchten zusammen. Möchten Sie sich engagieren? Melden Sie sich gern bei uns.

 

Projekt Arbeitsmarktservice

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